Berichte von 2003

Vorsicht Satire - - Worte zum Herbst Mogo
27. September

Alle mal herhören...kann nun auch ich endlich etwas Dringendes ansagen?...müsst ihr jetzt unbedingt privat weiterquatschen?...Sollen wir nun den Gottesdienst vorbereiten oder nicht?...Also, wer macht was?..
Alles muss ich alleine machen, keiner spurt so richtig von selbst. In (6,5,4,3,2) 1 Woche(n) , am Sonnabend um 13.45 Uhr läuten die Glocken den Gottesdienst ein. Was ist bis dahin nicht noch alles zu organisieren!. Denkt ja nicht, dass mit einem fröhlichen Halleluja alles getan ist und ihr zur Belohnung nur noch den Gashebel zur anschließenden Ausfahrt aufzudrehen braucht.
Also Leute, ein bisschen mehr Einsatz, meinetwegen auch zack - zack! Ich verteile jetzt die Listen, ich erwarte sie sogleich voll eingetragen zurück:
Ordner, Kuchen backen, Gottesdienstablauf, Kuchen- und Kaffeetresen. Keiner kümmert sich um die Musik, oder? Mein Computer hat weitere Listen ausgespuckt, tragt euch reichlich und verbindlich ein: Abwasch, Festwiese, Gertränke, Würstchen: Was, 1000 Stück? Kauf oder Kommission? Weist du nicht? Wenn ich schon mal etwas nicht selbst mache..... die Abwaschliste ist noch leer, auch Männer werden dürfen sich einschreiben. Leute , das wird mir bald zuviel; wenn weiterhin nichts klappt, schmeiße ich den ganzen Salat hin. Ihr werdet dann schon sehen, was ihr davon habt.
Was habt ihr nur gemacht, als ich noch nicht dabei war? Na klar, euer Chaos ging irgendwie in Ordnung, behauptet ihr jetzt. Den begleitenden Polizisten keine Vorschriften machen? Wenn sie Probleme machen, bekommen sie sofort von mir bescheid, da kenne ich gar nichts.
Und nicht wieder wie im letzten Jahr: Einige Kreuzungen dreifach, andere gar nicht besetzt. Keiner an der Kreuzung Linden-Neustädter Straße? Also Suse, du machst das, und nicht wieder knutschen, aufpassen sollst du, verstanden? Keine Widerrede!
Und so geht es über 6 Wochen. Keiner nimmt mich und den Mogo ernst. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie hart und undankbar mein Job als Gottesdienst - Vorbereiterin ist. Kein noch so kleines Detail darf dem Zufall und schon gar nicht der freien Improvisation überlassen werden. Zunächst habe ich immer reichlich Unterstützung- allerdings nur verbal sind alle begeistert dabei. Vor- und Ratschläge gibt es genug. Aber beim konkreten Umsetzen werden vor allem die Jungs immer stiller, haben Namen, Kuli und sogar Telefonnummern vergessen und schieben die Listen weiter wie beim Ramsch. Ordner bekomme ich nur im Hebst genug, denn dann dürfen sie die kleine Kolonne von etwa 200 Maschinen immer wieder überholen. Im Frühjahr, beim der 10fach längeren Korso ist das nicht möglich: Also Ordner-Notlage, regelmäßig. Wie ein Kompaniefeldwebel muss ich dann feste Posten einteilen, manche nennen mich daher schon Seargent Kock. Wenn ich nicht die volle Regie bei den Gottesdiensten übernehme, verpennt jeder seinen Einsatz. Micha-Pastor kann auch nicht alles allein machen. Wenn ich mich über die Belastung beklage , höre ich nur ein lautlos-hämisches Grinsen. Weil mich keiner wirklich ernst nimmt, muss ich oft so tun, als sei ich richtig giftig, böse und des ganzen Ladens überdrüssig.
Um den eigentlichen Mogo herum bin ich wie Figaro in Mozarts Oper: hier, dort, drunten, drüben, oben, überall ansprechbar, schwitzend und angespannt, damit alles klappt und alle in die Puschen kommen.
Adele, es war wieder einmal ein harmonischer, lockerer und schöner Gottesdienst, alles lief wie von selbst ab, es gab keinen Stress sondern nur fröhliche und zufriedene Gesichter, und das viel kehlige Halleluja klang noch lange in unsern Herzen nach. Wir danken dir für deine Mühen. Play it again, Adele!
Wolfgang Kausch

nach oben