Gott ist nicht humorlos; er hat uns Freude geschenkt und wir sollen keine Kinder von Traurigkeit sein.
In den Achtziger, Michael Bethke ist schon viele Jahre Pastor
in unserer schönen Hansestadt Lübeck und noch viel länger Motorrad-Fahrer,
hatte er die Idee, auch in Lübeck einen Gottesdienst mit und für Motorrad-Fahrer/-
innen zu gestalten. Er unterhielt Kontakt zu Motorrad- Fahrer/-innen in Lübeck
und besuchte sie in ihren Clubräumen.
Im Oktober 1983 wurde er Mitglied im Motorradclub - Lübeck e. V. (MCL)
bei Hans- Joachim Ziele. Hier traf er auf Gleichgesinnte, die auch Interesse
dran hatten, Menschen mit und ohne Motorrad, die mehr oder weniger eine Verbindung
zu Kirche und dem christlichen Glauben hatten. Sie wollten eine „Gemeinde“
oder einen „Kreis“ schaffen, indem sich die Menschen und Motorradfahrer/-innen
trafen, um miteinander zu diskutieren, zu beten, zu singen, miteinander zu feiern
und auch gemeinsam aktiv zu sein.
Eine lockere Gemeinschaft sollte es werden mit unterschiedlichen Leuten, die
gemeinsam nach christlichen Glauben und Gedanken leben und handeln. Es sollte
ein freier Arbeitskreis werden, in dem freie Menschen und Mitglieder verschiedener
Motorradclubs zusammen arbeiten.
Eine Arbeitsgemeinschaft könnte es werden, die bemüht ist, - bewußtseinsbildend
für mehr Verantwortung im Straßenverkehr einzutreten; - das schlechte
Bild der Motorradfahrer in der Öffentlichkeit zu korrigieren und zu verbessern;
- durch Kontakte, Veranstaltungen, Freizeiten und Gottesdienste Möglichkeiten
zur besseren Einübung im christlichen Glauben zu gewähren; - den christlichen
Glauben an andere Motorradfahrer/-innen weiterzugeben.
1977 gab es einen so genannten „ Drive-In-Gottesdienst“ beim 17. Ev. Kirchentag in Berlin (Losung: Herr, ich will dich loben im frischen Fahrtwind), von und mit Bernd-Jürgen Hamann. (Anmerkung: Bernd-Jürgen Hamann war Jugendpfarrer in Berlin und ist Mitbegründer der ACM - Gruppen in Deutschland und hielt schon in den Siebzigern Open-Air-Gottesdienste; wir schreiben dies in Erinnerung an ihn, da er im Juni 2004 verstarb)
1983 fuhr Michael B. zum 20. Ev. Kirchentag (Losung: Ich fahre ins Leben) nach
Hannover, wo er seinen ersten Gottesdienst für Motorradfahrer besuchte.
Von dem Ablauf und der gelösten, freien Stimmung bei diesem Open-Air-Gottesdienst
und unter den Besuchern war er sehr angetan.
Als Michael B. dann Mitte der Achtziger der Einladung zum Besuch des Open- Air-Gottesdienstes
für Motorradfahrer von Reinhold Hintze, Pastor für die Polizei Hamburg,
an die Elbe zum „Michel“ folgte, war es um ihn geschehen: „Einen
Gottesdienst für und mit Motorradfahrern/-innen sollte es auch in Lübeck
geben!“
Natürlich wurde die Sache nicht nur euphorisch angegangen, nein, er überlegte
sich auch organisatorische Dinge wie z.B.: Die Clubs in Lübeck sollten
mit eingebunden werden. Würden diese Interesse haben? Welcher Platz könnte
es in Lübeck werden? Vorm Fernmeldeamt? Oder auf der Wiese vorm Herrenhaus,
Krempelsdorfer Allee? Er knüpfte Verbindungen zu den entsprechenden Behörden
und Ämtern. Sollte eine Band, wie er es in Hamburg beim „Michel“
sah, auch in Lübeck spielen?
Nach ersten Gesprächen im MCL fand er weitere Begeisterte, die diese Idee
und Unternehmungen unterstützen wollten. Sie waren sich schnell sicher,
dass sie einen Gottesdienst von Motorrad- Fahrern/-innen für Motorrad-
Fahrer/-innen gestalten und feiern wollten. Die Mitwirkenden sollten Verantwortung
für die Gestaltung des Gottesdienstes übernehmen. Und dann war es
soweit!
Am
Freitag, den 30.05.1986 um 19.00 Uhr fand der erste Motorrad-Fahrer- Gottesdienst
als „Drive - In- Gottesdienst“ auf der Wiese vorm Herrenhaus, Krempelsdorfer
Allee, Lübeck, als Co-Operation zwischen Michael Bethke, Hans-Dieter Krüger
und dem MCL, Hans-Joachim Ziele, statt.
Michael B. hatte den Kirchenkreis und den Kirchenvorstand angeschrieben und
fragte an, wegen Bewilligung von finanziellen Mitteln. Diese sollten für
Werbung, für den Getränkeeinkauf und als Kostenbeitrag für die
Band „ Silent Touch“ verwendet werden.
Der Gottesdienst stand unter dem Thema „ Alle Wege sind des Herrn“.
Nächstenliebe und Rücksichtnahme gehören wesentlich zum sinnvollen
Motorradfahren dazu. Die Nächstenliebe ist nicht nur den anderen Verkehrsteilnehmern
gegenüber wichtig, sondern auch den anderen Lebewesen in der Natur, deren
Existenz und Leben das Motorradfahren erst zu einem Erlebnis werden lassen.
Sabine Sporns und Hans-Joachim Ziele führen den ersten Sketch für
Lübeck über Fred und Pauli und ihre Schutzengel „Engfred“
und „Engpaul“ auf.
Michael B. hielt die erste Predigt für Motorradfahrer „Ich bin der
Weg, die Wahrheit und das Leben, spricht Christus“.
Hans-Dieter Krüger sprach die Begrüßung und machte mit Michael
B. zusammen die Liturgie und die Band „Silent Touch“ sorgte auf
dem damals von Mierra geliehenen LKW für das musikalische Rahmenprogramm.
Michael B. und Hans-Dieter K. spielten zusammen Gitarre und alle sangen Songs
wie z. B. „Oh When the Saints go drivin´ on“ und Autobahn
„Immer schon wollt´ ich ´nen heißen Ofen haben“
– Stefan Reger, 1985.
Die vier des Teams konnten sich über etwa 100 Biker, die auf ca. 70 Maschinen
gekommen waren, freuen und dass es ihnen trotzdem gelungen war, einen lebendigen
Gottesdienst zu feiern. Sie waren überzeugt, dass die Gemeindemitglieder,
die Bürger und die Motorradfahrer mehr Verständnis und Rücksichtnahme
untereinander wachsen lassen würden.
Auch freute sich Michael B. ganz besonders über exklusiven Besuch aus Berlin.
Bernd-Jürgen Hamann schickte eine Vertretung, quasi als moralische Unterstützung
für diesen ersten Gottesdienst in Lübeck. Die positive Resonanz war
von längerer Dauer: Mitte Juni 1986 hörte einer der Pastoren einen
Teilnehmer bei einer Verabschiedung sagen: „Tschüß –
fahr vorsichtig. – Denk an Engfred“. … … to be continued.
ACM - Lübeck: Erzählt von Michael Bethke, geschrieben von Ulrike Schönberg, frei nach den Schreiben, Schriftstücken und Protokollen von 1986 bis ca., 1987
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